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200 KULTUR- UND BILDUNGSRATHAUS
Ingolstadt, 2024-2026
TYPUS: Arbeiten und Kultur
PROGRAMM: Transformation eines Verlagsgebäudes
STATUS: im Bau
PROJEKTART: Direktauftrag
AUFTRAGGEBER: RMN GmbH
LEISTUNGSPHASEN: 1-8
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In den Jahren 1949 – 53 planten und bauten der Architekt Josef Elfinger und sein Lehrmeister Franz Xaver Proebst das Verlagsgebäude des Donaukurier und platzierten damit einen der ersten modernen Bauten der Nachkriegszeit in Ingolstadt. Das flexible Grundrisskonzept, die einspringende Schaufensterverglasung des Erdgeschosses, die Rasterfassade sowie ein leicht abgesetztes oberstes Stockwerk avancierten in dieser Zeit zu einer Art Prototyp beim Entwurf neuer Geschäfts- und Bürogebäude. Mit dem Erweiterungsbau nach Südwesten wird das Gebäude zum innerstädtischen Ensemble. Viele Eingriffe in den 1970er bis Ende der 1980er Jahre veränderten seine Anmutung, durch die Auslagerung der Druckerei änderte sich auch die Grundrissstruktur im Gebäudeinneren. Nach dem Verkauf des Donaukurier war längere Zeit unklar, ob das Gebäude dem Abbruch zum Opfer fallen oder mit einem neuen Nutzungskonzept versehen und erhalten werden könnte. Unsere Studie konnte die Aufstockung des Volumens um ein zurückversetztes fünftes Obergeschoss vorstellbar machen. Teil des Entwurfsvorschlags waren Rückbau EG und ensemblegerechte Sanierung der Fassaden im Duktus der 1950er Jahre mit dem Anspruch einer maßvollen energetischen Ertüchtigung. Dabei wurde insbesondere beim hinzugekommenen Dachaufbau Wert auf die Weiterführung der stilprägenden Fassadenstruktur gelegt, was sich in der Sichtbarmachung der primären Tragstruktur und der Fenstergliederung manifestiert. Auch bei der Material- und Farbwahl von Fenstern, textilem Sonnenschutz, Fassadeverkleidung, Keramikplatten wurde der bauzeitliche Kanon zugrunde gelegt. Hochwertige Aluminiumfenster in Neusilber (EV2H) zeichnen die ursprünglichen Fensterteilungen nach, Stoffbahnen in gedecktem Grün bilden als Ausstell-Elemente eine bauliche Einheit mit den Fenstern, Putzkörnung und -farbigkeit orientieren sich am Ursprungsbau, schwarze keramische Fassadenfliesen fassen den Sockel des Erdgeschosses und schützen ihn so vor mechanischen Einwirkungen. Das signifikante Vordach bleibt in seiner Anmutung erhalten und wird nur unterseitig mit reduzierter Dämmung thermisch eingehüllt. Die Haupteingangstüren zum Erdgeschoss, in dem Foyer, Ausstellungsräume und ein kleines Café für alle sichtbar an der Straße liegen werden, sollen mit klassischen Türgriffstangen aus der Zeit der Wirtschaftswunderjahre geöffnet werden. Dabei geht es weniger um denkmalgerechten Rückbau auf den Urzustand, sondern die Transformation des Gebäudes in die Jetztzeit mit Respekt, Detailgenauigkeit und ästhetischer Stringenz.
RENDERING: Renderwolf, Wien
FOTOS: Sebastian Schels, nbundm*, Archiv